{"id":84,"date":"2011-08-03T20:10:33","date_gmt":"2011-08-03T20:10:33","guid":{"rendered":"http:\/\/127.0.0.1:8090\/index.php\/02082011-sommernachtshimmel-mit-dem-fernglas\/"},"modified":"2026-05-21T14:53:19","modified_gmt":"2026-05-21T14:53:19","slug":"02082011-sommernachtshimmel-mit-dem-fernglas","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/heiko.jailobeam.de\/index.php\/beobachtungsberichte\/beobachtungsberichte-2011\/02082011-sommernachtshimmel-mit-dem-fernglas\/","title":{"rendered":"02.08.2011 &#8211; Sommernachtshimmel mit dem Fernglas"},"content":{"rendered":"<p>Da  die Wettervorhersage f\u00fcr die kommenden Tage nicht so berauschend ist,  wollte ich die letzte Nacht nochmal nutzen, um ein wenig den Himmel  abzugrasen. Die vorletzte Nacht mu\u00dfte ich aus zeitlichen Gr\u00fcnden schon  sausen lassen, die Nacht von Sonntag auf Montag war ich in Hubertus  Sternwarte zu Gast.<\/p>\n<p>Dienstag 02.08.2011<br \/>ca. 23Uhr &#8211; 0.45Uhr<br \/>Kb-Lengefeld (ca. 3km vom ATDS-TT-Platz entfernt)<br \/>fst:  wechselhaft ca. 5-5,5mag im Zenit<\/p>\n<p>Da  wir in Hubertus Sternwarte am vergangenen Sonntag den Kometen C\/2009 P1  Garradd schon mit dem 16&#8243;er beobachten konnten, wollte ich dem  schmutzigen Schneeball in der vergangenen Nacht auch mal mit meinem TS  20&#215;80 Triplet Fernglas auf die Pelle r\u00fccken. Ich \u00fcberlegte noch, ob ich  auch meinen Fotokram raus in die Einfahrt schleppen sollte, lies es aber  aufgrund des aktuellen Satellitenfilms dann doch sein &#8211; von S\u00fcdwest  zogen Wolken in meine Richtung, die bald ankommen sollten, was sich  gegen 0.30Uhr auch best\u00e4tigte. Es zogen auch so immer mal wieder ein  paar d\u00fcnne Schleierwolken durch, was aber den Spass beim beobachten  nicht gro\u00dfartig minderte.<\/p>\n<p>Das este Objekt, dass ich mit dem  Fernglas ansteuerte, war dann auch der Komet, der weniger als 1\u00b0 vom  promineten Kugelsternhaufen M15 entfernt am Fu\u00dfe des Pegasus langsam  vorbeizog. Da es noch nicht richtig dunkel war, konnte ich ihn zuerst  nur schemenhaft als schwachen aber relativ gro\u00dfen Fleck ohne Probleme  erkennen. Nun gut, er w\u00fcrde ja auch noch etwas am Himmel emporsteigen  und dem Lichterdom von Korbach entfliehen. Also sp\u00e4ter nocheinmal.<\/p>\n<p>Ich  schwenkte dann die Binomount erstmal Richtung Schwan, um mir dort den  Cirruskomplex und den Nordamerikanebel zu gem\u00fcte zu f\u00fchren. Dazu hatte  ich mir noch eine Isomatte von drinnen geholt, um die hoch stehenden  Objekte im Liegen beobachten zu k\u00f6nnen, was auch mit der Binomount super  geklappt hat &#8211; hatte ich zuvor noch nie versucht. Ohne meine Fujinon  Fernglas-Nebelfilter waren die genannten Objekte zwar zu erkennen &#8211; auch  der zarte Sturmvogel zeichnete sich ganz schwach vom Himmelshintergrund  ab &#8211; doch richtig Spass machten die Objekte erst, als ich sie sp\u00e4ter  mit meinen eingelegten Nebelfiltern nochmal aufsuchte. Mit diesen  Filtern war dann auch der Sturmvogel in seiner von Fotos bekannten Form  relativ gut zu erkennen &#8211; ich war begeistert! Der komplette  Cirruskomplex ist bereits so gro\u00df, dass ich ihn im Gesichtsfeld des  20&#215;80 kaum mehr komplett \u00fcberblicken kann. W\u00e4hrend die Knochenhand am  linken Gesichtsfeldrand des Fernglases pappt, schmiegt sich der  Sturmvogel an den Rechten an. Pickering&#8217;s Triangular Wisp konnte ich nur  schemenhaft ganz ganz schwach erahnen. Da geht unter besserem Himmel,  den ich auch hier in meiner Einfahrt oft knapp \u00fcber 6mag habe, sicher  noch mehr. In der Knochenhand waren deutlich Strukturen zu erkennen und  vom Sturmvogel konnte ich sogar den s\u00fcdlichen F\u00e4cher noch relativ gut  erkennen, wengleich ich mir nicht sicher war, ob ich auch die Teilung  &#8222;im Schwanz&#8220; erkennen konnte.<\/p>\n<p>Auch der Nordamerikanebel ist f\u00fcr  dieses Glas schon fast zu gro\u00df. Da ist schon kaum noch Feld um das  Objekt herum, sodass mir der Anblick in meinem 120\/600 Richie mit 31ger  Nagler und Baader OIII eigentlich etwas besser gef\u00e4llt. Dennoch macht es  auch riesigen Spass, diesen Nebel mit dem 20&#215;80 Triplet und den  eingelegten Fujinon-Nebelfiltern zu beobachten. Einfach toll, wie sich  die Form des nordamerikanischen Kontinents vom Hintergrund abhebt. Auch  vom Pelikan konnte ich Nebelfl\u00e4chen erkennen. Seine bekannte Form konnte  ich aber wiedermal nicht richtig festmachen. <\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend gings  zum Hantelnebel M27. Das war schonmal wieder richtig klasse &#8211; ein  Objekt, das mit seiner charakteristischen Form (inkl. Ohren) als  Fernglasziel mit ordentlich Feld drumherum einfach nur grandios  anzuschauen ist. Irre geil!<\/p>\n<p>Dann noch kurz zu M57 in die Leier.  Aufgrund seiner Gr\u00f6\u00dfe allerdings eher ein Teleskopobjekt, aber fl\u00e4chig  sieht man ihn schon mit dem 20&#215;80. Mit den Nebelfiltern hatte ich den  Eindruck ihn gr\u00fcnlich zu sehen. Ohne Filter hingegen bleibt er ein  graues Minifleckchen. Die Gr\u00fcnf\u00e4rbung hat bestimmt eher was mit den  Filtern an sich zu tuen, als dass es vom Objekt kommen w\u00fcrde. Denn auch  ohne Filter ist dieser kleine planetarische Nebel sehr gut zu erwischen,  wenngleich sich die charakteristische Ringform bei der &#8222;Kleine&#8220;  nat\u00fcrlich nicht zeigen kann.<\/p>\n<p>Und weiter gings in Richtung  s\u00fcdlicher Milchstrasse. Leider kann ich aus meiner Einfahrt heraus nicht  so weit unten beobachten, sodass die Klassiker Trifid- und Lagunennebel  nicht erhascht werden konnten. Daf\u00fcr entsch\u00e4digten Adler- und  Schwanennebel. Vor allem der Schwan, der f\u00fcr mich immer eher wie \u00b4ne  Quietscheente aussieht, wu\u00dfte mich zu begeistern. Schon ohne Filter ist  auch seine Form gut erkennbar. Mit Filtern hingegen kam auch noch  &#8222;Wasser&#8220; zum Vorschein, auf dem die &#8222;Ente&#8220; dahingleitet. Vor allem  &#8222;hinter&#8220; der Ente war noch einiges an Nebelmasse zu erhaschen. Mit der  20fachen Vergr\u00f6\u00dferung ist die Form der &#8222;Ente&#8220; bereits sehr gut zu  erkennen. Trotzdem bleibt hier ein wenig der Wunsch nach etwas mehr  Vergr\u00f6\u00dferung. Aber ich will nicht meckern, gerade die &#8222;Ente&#8220; und M27  haben mir letzte Nacht am meisten Freude gemacht. Ich bin nur immer  wieder erstaunt dar\u00fcber, wie die Ente das macht, so kopf\u00fcber im All zu  schwimmen. Aber klar, es liegt wohl an der Schwerelosigkeit.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend  bin ich dann nochmal zum Kometen r\u00fcber in den Pegasus und siehe da, das  nochmalige Anfahren des Objekts hat sich gelohnt. Der Komet offenbart  seine Gestallt in Form eines hellen Kerns und einer diffusen, gro\u00dfen  Koma drumherum. Damit nicht genug, erkenne ich nach einer Weile auch den  Schweif, der fast genau auf den Kugelsternhaufen M15 ausgerichtet ist.  Ich bin mir erst nicht ganz sicher, nach ein paar Minuten der  Beobachtung, auch mit leichtem Schwenken des Fernglases bin ich mir aber  sicher einen etwas aufgef\u00e4cherten Schweif erkannt zu haben, der sich in  etwa so lang zeigt, wie der Durchmesser der Koma ist. Klasse Anblick,  vor allem zusammen mit dem Kugelsternhaufen in einem Gesichtsfeld. Muss  man gesehen haben!<\/p>\n<p>Mir kommt der Gedanke den Zeichenkram noch  raus zu holen. Aber zwei Dinge hindern mich schlie\u00dflich daran: Zum einen  mein Halswirbels\u00e4ulenschmerz, den ich seit einem Autounfall vor 16  Jahren immer dann bekomme, wenn ich lange weit nach oben gucke, zum  anderen bemerke ich beim weiteren Beobachten des Komets, dass sich die  Bedingungen langsam aber stetig verschlechtern. Mein Blick an den  Sternenhimmel best\u00e4tigt dies. Die Milchstrasse zeigt nicht mehr so viele  Details, in Richtung S\u00fcden ist sie nach kurzer Zeit bereits garnicht  mehr zu sehen. Immer mehr Sterne verschwinden in einer milchigen Suppe,  so wie ich es anhand des Satellitenfilms bef\u00fcrchtet hatte. Aber ich  hatte meinen Spass. Zwischendurch bin ich mit dem 20&#215;80 auch einfach nur  so durch die Milchstrasse &#8222;gefahren&#8220;, vor allem liegend auf der  Isomatte, und hatte dabei echt das Gef\u00fchl, mittendrin zu sein, was ja  eigentlich auch der Realit\u00e4t entspricht.<\/p>\n<p>Den Abschluss vollzog ich dann mit einem schnellen Schwenk auf die  Andromedagalaxie M31. Zwar hing diese noch im Lichtdom der benachbarten  Stadt Korbach und die Bedingungen verschlechterten sich ja auch  zumnehmendst, und dennoch konnte ich ihre wahnsinnige Gr\u00f6\u00dfe schon noch  erahnen. Die beiden Begleiter M110 und die kleinere M32 waren auch noch  deutlich zu erkennen. Dort wo die beiden Staubb\u00e4nder bei guten  Bedingungen im Teleskop zu sehen sind, war es etwas dunkler, sodass ich  vermute, dass man zumindest Ans\u00e4tze davon auch schon im 20&#215;80 Triplet  sehen kann, wenn sie h\u00f6her steht und die Bedingungen besser sind. Ich  bin jedenfalls schon ganz gespannt darauf, was da in den n\u00e4chsten  Monaten noch gehen wird. <\/p>\n<p>Nachdem es sich dann zuzog, baute ich  meinen Kram wieder ab, verbrachte ihn nach drinnen, genoss noch eine  Gute-Nacht-Zigarette (ja, ich rauche wieder) und begab mich gegen 0.45Uhr in Richtung Bett.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da die Wettervorhersage f\u00fcr die kommenden Tage nicht so berauschend ist, wollte ich die letzte Nacht nochmal nutzen, um ein wenig den Himmel abzugrasen. Die vorletzte Nacht mu\u00dfte ich aus zeitlichen Gr\u00fcnden schon sausen lassen, die Nacht von Sonntag auf Montag war ich in Hubertus Sternwarte zu Gast. 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