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Nicht mehr in meinem Besitz – verkauft in 2009.


Dieses Teleskop habe ich mir im Sommer 2008 zum Spaß und aus Neugierde zugelegt. Der Hauptgrund dahinter war, dass ich auch mal ein GoTo-Teleskop haben wollte, um mal zu schauen, wie sowas funktioniert.

Der folgende Bericht wird etwas länger, da ich gerne erklären möchte, warum ich dieses Teleskop, welches jedes Jahr kurz vor Weichnachten bei einem Lebensmitteldiscounter „zwischen Obst und Schokolade“ angeboten wird, einem Einsteiger NICHT empfehlen kann.

Was hat es mit dem GoTo auf sich? Das GoTo steht für „gehe zu“ und bedeutet, dass man dem Teleskop nur „sagen“ muß, welches Objekt man gerne sehen möchte und das Teleskop fährt dann „wie von Geisterhand“ an die Stelle am Himmel, wo das Objekt sich gerade befindet. Dies können Planeten, Sternhaufen, Nebel, Galaxien oder auch „nur“ der Mond sein. Aber auch Satelliten oder die Internationale Raumstation ISS lassen sich damit anfahren, wenn man sich im Internet die Bahndaten dieser Objekte besorgt (z.B. auf www.calsky.de) und diese entweder manuell in die Handsteuerbox einprogrammiert, oder aber per optionalem Datenkabel vom PC überträgt.

In der Handsteuerbox des ETX-70 sind bereits 1400 (!!!) Objekte gespeichert und bis auf die Sonne, die aus Sicherheitsgründen (niemals ohne geeigneten Objektivsonnenfilter in die Sonne schauen – Erblindungsgefahr!!!) nicht auf einfachen Knopfdruck angefahren werden kann, ist auch alles dabei, was man sich so wünscht. Alles? Nein, viel zu viel! Damit komme ich schon an einen Kritikpunkt zu diesem Teleskop. Mit nur 70mm Objektivöffnung kann man nur einen Bruchteil der abgespeicherten Objekte sehen, da diese für ein so kleines Teleskop einfach zu lichtschwach sind. Das genau ist der Hauptgrund, warum ich dieses Teleskop auf gar keinem Fall einem Einsteiger empfehlen kann!

Die Verpackung suggeriert dem ahnungslosen Neueinsteiger, dass er mit diesem Teleskop ein klasse Gerät bekommt, mit dem er nicht nur über 1000 Objekte beobachten kann, sondern diese noch nicht mal selbst am Himmel aufsuchen muß. Einfach auf´s Knöpfchen gedrückt und schon geht die Reise in den Deep Sky los. Aber ganz so einfach ist es eben nicht. Die Physik läßt sich nicht verbiegen und daher sind auch beim ETX-70 die 70mm Objektivlinsendurchmesser bei weitem nicht ausreichend, um ein Teleskop zu bekommen, mit dem man schon „schöne“ Deepskybeobachtungen machen kann. Gerade einem Anfänger fehlt noch die Beobachtungserfahrung, um Objekte identifizieren zu können, bzw. diese teilweise überhaupt erstmal zu sehen. Aber auch die Beobachtungserfahrung allein reicht für schwache Objekte natürlich nicht aus. 70mm Öffnung sind für eine Handvoll Objekte gerade ausreichend, um diese überhaupt als verwaschenen kleinen Nebelfleck zu sehen. Und das ist nicht das, was die bunte Verpackung verspricht.

Des weiteren kommt die (un-)mögliche Vergrößerung, die man mit dem Teleskop und dem beigelegten Zubehör erreichen kann, hinzu. In großen Lettern steht auf der Verpackung, dass man damit bis zu 262,5fach vergrößern kann. Rein rechnerisch ist das auch nicht gelogen. Dem Zubehör liegt eine 3-fach-Barlowlinse bei, mit der die Brennweite des Teleskops von 350mm auf 1050mm „gestreckt“ wird. Teilt man diese 1050mm Brennweite durch die 4mm Brennweite des kurzbrennweitigsten beigelegten Okulars, dann kommt man tatsächlich auf die sagenhafte 262,5fache Vergrößerung. Was die Verpackung nur leider verschweigt ist, dass man diese Vergrößerung an diesem Teleskop nicht nutzen kann! Selbst der Mond, der dafür genug Licht hätte, zeigt dann keine Details mehr, sondern nur noch ein unscharfes, verwaschenes Etwas.

Eine Faustformel besagt, dass die maximal sinnvolle Vergrößerung eines Teleskops bei einer guten Optik bei etwa dem 1,5 – 2fachen der Öffnung liegt. Das wäre theoretisch beim ETX-70 eine Vergrößerung von ca. 100-140fach. Selbst wenn dieses Teleskop 100%ig gearbeitete Linsen hätte, wäre diese Vergrößerung mit diesem Gerät nicht sinnvoll einsetzbar. Was hier nämlich noch dazu kommt, ist das schnelle Öffnungsverhältnis dieses einfachen Linsenteleskops. Dies liegt bei f/5 (Brennweite:Öffnung). Der Linsenaufbau dieses einfachen achromatischen Linsenfernrohrs sorgt für einen sogenannten Farbfehler, der umso deutlicher wird, je höher man vergrößert. Dieser Farbfehler entsteht dadurch, dass eine Linse Licht verschiedener Wellenlängen unterschiedlich stark bricht. Dadurch liegt der Fokus von Rot z.B. an einer anderen Stelle, als der von Blau. Um ein knackescharfes Bild zu bekommen, müssen aber alle Wellenlängen an dem gleichen Punkt, also bei gleicher Einstellung des Okularauszugs, in den Fokus kommen. Tun sie das nicht, gibt es ein unscharfes, schwammiges Bild, da der scharf fokussierte Wellenlängenbereich von den anderen unscharfen Wellenlängen überlagert wird.

Bei geringen Vergrößerungen fällt das noch nicht auf. Daher eignet sich die Optik des ETX-70 vor allem gut zur Beobachtung von großflächigen Objekten oder einfach zum rumcruisen am Sternenhimmel. Eine „Fahrt“ über die Milchstraße macht damit wirklich Spaß.

Zu den großflächigen Objekten sei aber noch folgendes gesagt. Diese sind auch schon recht lichtschwach, sodass der Einsteiger diese erstmal garnicht erkennen wird, selbst wenn das Teleskop per GoTo-Befehl an die richtige Stelle gefahren ist. Die einzige Ausnahme wird da wohl die Andromedagalaxie sein. Allerdings wird der Einsteiger da wohl sicher auch mehr zu sehen erwartet haben. Wie gesagt, 70mm sind nicht wirklich viel zum Beobachten von Deepskyobjekten. Die großen Planeten haben zwar genug Licht, um prinzipiell auch mit 70mm Öffnung schon höher vergrößern zu können, da scheiterts beim ETX-70 aber an dessen Farbfehler des achromatischen Linsenaufbaus.

Zum „einfachen“ GoTo sei auch noch etwas gesagt: So einfach, wie es der Hersteller beschreibt, ist es nicht mit der Handhabe des GoTo. Zuerst muß man das Teleskop waagerecht aufbauen, wobei der Tubus möglichst exakt nach Norden zeigt und dieser eben auch in der Waagerechten stehen muß. Dann sollten die Koordinaten des Beobachtungsstandortes relativ genau bekannt und im ETX-70 eingespeichert sein. Letzteres kann noch zu Hause gemacht werden und muß nicht immer wieder neu eingegeben werden, wenn man immer vom gleichen Ort aus beobachtet. Schaltet man die Steuerung dann vor Ort ein, wird JEDESMAL nach dem Datum und der genauen Uhrzeit gefragt. Da sich ja die Erde dreht, ist dies auch sehr genau einzugeben. Dann werden im „2-Star-Alignment“ automatisch zwei Refrenzsterne angefahren. Jetzt zeigt sich, wie genau man die Uhrzeit eingegeben und den Aufbau des Teleskop hinbekommen hat. Hat man Glück, dann ist der erste Stern wenigstens im Übersichtsokular (dem ETX-70 liegt dafür ein 25mm Okular bei) zu sehen. Dieser soll dann mit den Pfeiltasten der Handsteuerbox möglichst genau im Okular zentriert werden. Nach der Bestätigung der Zentrierung wird der zweite Referenzstern angefahren, an dem man die gleiche Prozedur durchführen muß. Dabei kommen wir aber auch zu einem wichtigen Punkt: Im Display der Steuerung werden die Referenzsterne mit Namen vorgeschlagen. Um diese sicher anfahren und erkenne zu können, muß man wissen, wo sich dieser Stern am Himmel befindet. Das GoTo-Teleskop kann erst Objekte auf Knopfdruck anfahren, wenn es selbst weiß, wo es sich gerade in Relation zum Sternenhimmel befindet. Daher auch die „Eichung“ an Referenzsternen. Aber kann das ein Einsteiger? Weiß er, wo sich der anzufahrende Stern befindet? Zu welchem Sternbild gehört der Stern? Erkennt er überhaupt das Sternbild am Himmel?

Dies genau ist ein, aus meiner Sicht, ganz wichtiger Punkt, einem Einsteiger von diesem Teleskop abzuraten. Den Sternenhimmel lernt man am besten und am sichersten mit einer (drehbaren) Sternkarte, einer Rotlichtlampe (Rotlicht, um die Dunkeladaption des Auges nicht oder nur gering zu stören), einer Uhr und anfangs noch einem Kompass kennen. Letzterer kann entfallen, wenn man den Polarstern sicher auffinden kann, der einem ja immer die Himmelsrichtung NORDEN anzeigt.

Der Umgang mit einer drehbaren Sternkarte ist schnell erlernt. Und dann kann man sich auch an richtige Sternkarten mit eingezeichneten Deepsky-Objekten wagen. Auf einigen drehbaren Sternkarten sind übrigends auch bereits ein paar Objekte verzeichnet.

Meiner Meinung nach hält das GoTo den Beobachter immer noch etwas auf Distanz zum Sternenhimmel. Man beschäftigt sich nicht oder nur ungenügend mit dem Sternenhimmel, da das GoTo einem ja die Aufsucharbeit abnimmt. Ich vergleiche das immer mit einem Beispiel aus unserem Alltag: Wenn ich in eine mir fremde Stadt komme und da länger verweilen möchte (Urlaub oder vieleicht auch Umzug in diese neue Umgebung), dann will ich doch nicht jede Fahrt, die ich innerhalb dieser Stadt machen möchte nur mit dem Navigationsgerät im Auto machen. Ich möchte mir schnell einen Überblick darüber verschaffen, was ich wo finde. Das geht aber nicht, wenn ich nur nach Navi fahre, dem ich ja auch vorher erst sagen muß, wo es hingehen soll. Am besten ist, man macht sich mit dem Stadtplan vertraut, damit man zumindest so in etwa weiß, wo was zu finden ist. Genauso verhält es sich am Sternenhimmel. Die Sternbilder sind die Stadtteile, die Objekte in den Sternbildern die Sehenswürdigkeiten/Geschäfte in den Stadtteilen.

Das Zubehör, welches meinem ETX-70 beilag, abgesehen vom selbstgebauten Objektivsonnenfilter in der Bildmitte unten:


Im einzelnen sind dies (von o.li. nach u.re.):

– 3-fach Barlowlinse
– Armiciprisma für erdgebundene Beobachtungen
– 4mm Okular
– 12mm Okular
– 25mm Okular

Das Armiciprisma sorgt dafür, dass das Abbild im Okular aufrecht und seitenrichtig ist. Bei der Beobachtung mit dem Zenitspiegel sind rechts und links im Okular vertauscht.

Nicht auf diesem Foto zu sehen sind das Alu-Stativ, der Rucksack, in den das Teleskop komplett verstaut werden kann, das Handbuch und die CD-ROM mit einem Planetariumsprogramm.







Auf zwei „Konstruktionsmängel“ möchte ich auch noch gerne eingehen. Zum einen sind es die lauten Motoren des ETX-70, die mich immer davon abgehalten haben, dieses Teleskop zu Hause zu nutzen. Das ist wirklich niemandem im näheren Umfeld zuzumuten, der seinen Schlaf braucht und am nächsten Morgen früh raus muß. Ich habe es mich noch nicht mal getraut, es bei einem Teleskoptreffen aufzubauen, wo ich es anfangs mal mit hatte. Der zweite Mangel ist der Fokussierknopf. Dieser liegt so ungünstig am Tubusende, dass man nur mit sehr dünnen Fingern dran kommt, wenn man in Zenitnähe beobachten möchte. Dem kann man aber Abhilfe schaffen, indem man sich den „Flexiblen Fokussierer“ zulegt, oder sich soetwas selbst aus einem Stückchen Bowdenzug und dem Innenleben einer Lüsterklemme baut. Damit ist der Knopf in jeder Stellung des Tubus gut zu erreichen.

Ich möchte aber das ETX-70 auch nicht nur schlecht machen. Ich selbst habe viel Freude damit gehabt, bis ich es im Herbst 2009 wieder verkauft habe, weil es doch die meiste Zeit nur ungenutzt im Keller stand. Wenn man weiß, worauf man sich mit nur 70mm Öffnung und 350mm Brennweite einläßt, also die für ein Teleskop geringe Lichtsammelleistung und den bei mittleren und höheren Vergrößerungen auftretenden Farbfehler, dann kann so ein Gerät auch viel Freude machen. Vorausgesetzt, man verfügt über etwas Beobachtungserfahrung und das ETX-70 ist nicht das einzige Teleskop im Gerätepark. Als Ergänzung zu größeren Geräten oder auch als Reisegerät, ist es für den fortgeschrittenen Beobachter ein nettes kleines Teleskop, mit dem man ja auch schonmal die 100fache Lichtsammelleistung gegenüber dem dunkeladaptierten und „unbewaffneten“ Auge hat.

Für die stolzen ETX-70-Besitzer hier noch ein hilfreicher link zum kleinen GoTo-Teleskop:

Weasner´s ETX-Seite mit vielen hilfreichen Tips und Tricks
– etwas unübersichtlich aber mit vielen Infos vollgepackt. Wenn´s mal klemmt findet man dort meist Hilfe.


P.S.: Ich muß zugeben, dass das kleine ETX-70 schon auch seinen Charme hat. Beim Schreiben dieses Textes kam in mir doch tatsächlich der Gedanke auf, dass ich es mir irgenwann vieleicht doch nochmal wieder zulegen muß. 😉