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DIE FERNGLASSEITE WIRD DEMNÄCHST ÜBERARBEITET UND AUF DEN AKTUELLEN STAND GEBRACHT … (19.09.2015)


Das optische Hilfsmittel für die „Himmelsobservation“, welches am schnellsten einsatzbereit ist, ist das Fernglas. Es kommt bei mir nicht immer zum Einsatz, aber durch die mitlerweile angeeignete Beobachtungserfahrung weiß ich so ein FG mitlerweile sehr zu schätzen. Mal suche ich gezielt nach Objekten, mal cruise ich aber auch nur einfach mal so durch den Sternenhimmel. Das macht ´ne Menge Spaß und bietet sich für Einsteiger aufgrund des großen Gesichtsfelds geradezu an. Noch dazu sind in vielen Haushalten sowieso schon Ferngläser vorhanden, sodass man auch ohne bereits Geld in ein Teleskop und Zubehör investieren zu müssen, schon erste Beobachtungen am Sternenhimmel machen kann. Schon mit einfachen (um nicht zu sagen „billigen“) Ferngläsern kann man auf Deepskyjagd gehen, so wie ich es auch tue.

Meine Ferngläser (Stand 2011)


Von links nach rechts sind das ein TS 20×80 Triplet, ein Hannia 16x80LE, ein Bresser 10×50, ein Revue 7×50 und ein Tasco 7×35.


Nachtrag 2015: Weitere Gläser haben den Weg in meine Sammlung gefunden:
– ein Auriol 10-30×60 (Finger weg!)
– ein russisches Sotem 10×50
– ein Hanimex 10×50
– ein Hunter 7×50
– ein Tasco 7×50 Model No. 306
– ein Tasco 8×40 Model No. 310 (schön handliches FG mit recht guter Abbildung)
– ein Seeadler 8×40 „Jägermeister Panorama“
– ein Porst 6-12×30
– ein Porst 8-20×50

Meine Hauptferngläser, also die, die ich regelmäßig benutze, sind derzeit das TS 20×80 Triplet und das Bresser 10×50. Letzteres war übrigends jedes Jahr bei Lidl für weniger als 20,-€ zu bekommen und für das kleine Geld wirklich klasse! Seit 3 oder 4 Jahren werden dort stattdessen allerdings wesentlich schlechtere Gläser von Auriol angeboten – Finger weg!











Während ich mit dem kleineren 10×50 Fernglas auch mal eben auf die Schnelle beobachten kann, ist das mit dem 20×80 oder auch dem günstigeren 16×80 Hannia Fernglas, nicht so einfach möglich. Zum einen sind die beiden großen Ferngläser schon recht schwer, wenn man sie länger halten muß, zum anderen kann man Vergrößerungen über 10fach nicht mehr ruhig in der Hand halten und verzichtet zwangsläufig auf Details. Aus diesem Grund habe ich mir eine Parallelogrammmontierung für die Ferngläser gebaut, womit man schön entspannt den Himmel im Fernglas genießen kann.

Was ist der Vorteil der Beobachtung mit einem Großfernglas? Klarer Fall, ist wie beim Teleskop auch: Umso mehr Öffnung, desto mehr Licht kann die Optik sammeln und umso schwächere Objekte kann man damit beobachten. Mit dem 10×50 kann man bereits alle Messierobjekte beobachten, mit dem 20×80 sieht man sie aber doppelt so groß. Während man mit dem kleineren Fernglas die Galaxien und Kugelsternhaufen nur als schwach neblige Fleckchen sieht, kann man mit dem 20×80 Triplet schon einige davon anhand ihrer Form richtig erkennen. Die doppelte Vergrößerung ist also zum Erkennen von Objekten sehr hilfreich. Um aber so hoch vergrößern zu können, muß auch die Lichtmenge ausreichend sein. Bei einem Fernglas mit 50mm-Objektiven würde da schnell im wahrsten Sinne des Wortes „das Licht ausgehen“. Bei dem 20×80 Triplet hingegen ist das kein Problem. Die beiden 80mm Objektive sammeln ausreichend Licht für die 20fache-Vergrößerung. Prinzipiell wäre das 16×80 Fernglas sogar noch etwas besser geeignet, da es aufgrund der geringeren Vergrößerung bei gleichbleibender Öffnung mehr Licht auf die Netzhaut bringt. Praktisch kann ich das aber nicht bestätigen, da das 16×80 Fernglas von wesentlich schlechterer Qualität ist. Die Linsen der Objektive und der Okulare sind sicher schlechter vergütet, wodurch auch Licht verloren geht. Auch ist die Innenschwärzung des 20×80 Triplet wesentlich besser als die (nicht wirklich vorhandene) des 16×80 Hannia Glases, was sich am 20×80 kontraststeigernd bemerkbar macht.

Apropos „kontraststeigernd“. Das TS 20×80 Triplet gibt es auch in einer speziellen Astroversion. Diese hat einschwenkbare Nebelfilter, die sich an galaktischen und planetarischen Nebeln kontraststeigernd bemerbar machen sollen, da sie den Teil des sichtbaren Lichts abschwächen oder ganz blockieren, in dem die Nebel nicht leuchten, während das „Nebellicht“ (fast) ungehindert den Weg ins Auge finden kann. Wie gut das beim TS 20×80 Triplet Astro funktioniert kann ich aber nicht beurteilen, da ich noch nie durch eines geschaut habe. Als ich mir aber das normale 20×80 Triplet auf der Astrobörse ATT in Essen zugelegt habe, konnte ich dort an einem Schnäppchentisch für ganz kleines Geld ein paar einschraubbare Nebelfilter für ein Fujinon-Fernglas ergattern.

Nun hab ich zwar kein Fujinon Fernglas, aber diese beiden Filter passen zufällig genau in die Augenmuscheln des 20×80 Triplet, wo ich sie anfangs einfach eingeklemmt habe, indem ich erst die Augenmuscheln nach hinten klappte, die Filter bündig auf die Okulare auflegte und die Augenmuscheln wieder nach vorne klappe. Die Filter wurden dabei durch die gummierte Augenmuschel perfekt gehalten und verkippten dabei nicht.

Auf folgendem Foto sieht man das linke Okular ohne, das rechte mit eingeklemmtem Fujinon Nebelfilter:

Da mir das Einklemmen der Filter aber auf Dauer und vor allem im Dunklen zu fummelig war, habe ich mir von einem Freund zwei Aluminiumringe anfertigen lassen, die ein M34 Feingewinde besitzen, in die ich die Fujinon-Nebelfilter, die ebenfalls dieses Gewinde besitzen, einschrauben kann.

Hier ein Filter, zusammen mit den beiden Ringen, die ich auf der Augenseite geschwärzt habe, um eventuelle Reflektionen bei Nutzung des Fernglases ohne Filter zu vermeiden.

Die Ringe habe ich mit Sekundenkleber auf das um die Okularöffnung aufliegende Gummi der Augenmuscheln aufgeklebt.

(links ohne, rechts mit eingeschraubtem Filter)

Durch diese Modifikation brauche ich während des Zurückklappens der Augenmuscheln nicht mehr aufpassen, dass mir die Nebelfilter nicht runterfallen. Da das Zurückklappen aber aufgrund des relativ großen Durchmessers der Filterfassungen noch etwas schwierig geht, werde ich mir diese wahrscheinlich noch etwas verkleinern.

Die Funktion dieser Filter ist überwältigend. Als Beispiel seien hier der Nordamerikanebel und der Cirrus-Nebelkomplex erwähnt, die sich mit den Filtern sehr viel deutlicher vom Himmelshintergrund abheben als ohne. In beiden Halbbögen des Cirrusnebels („Knochenhand“ und „Sturmvogel“) kann man schon richtig Strukturen erkennen. Wenn die Qualität der im Triplet-Astro verbauten Filter ebenso gut ist, dann lohnt sich die Anschaffung der ca. 100,-€ teureren Variante ganz bestimmt. Hier ein Beobachtungsbericht von einer Nacht, in der ich ausschließlich mit meinem TS 20×80 Triplet mit und ohne die Nebelfilter beobachtet habe.


Hier mal der Unterschied zwischen 50 und 80mm Objektivöffnung anhand des Bresser 10×50 und des Hannia 16×80 Glases:

Sehr zu empfehlen ist übrigends auch der Bau von Sonnenfiltern für das Fernglas (hier ein Selbstbaubericht). Schon im 10×50 Fernglas kann man Sonnenflecken und helle Fackelgebiete recht gut beobachten. Die Granulation konnte ich direkt noch nicht erkennen, nur indirekt durch die Sichtung der Fackelgebiete. Im 20×80 Triplet sieht das aber schon ganz anders aus. Da kann man die Granulation über die komplette Sonnenoberfläche direkt als solche beobachten. Bei größeren Sonnenflecken kann man sogar die tiefschwarze Umbra von der sie umgebenen grauen Penumbra unterscheiden. Da die Sonne auch mit der Baader Sonnenfilterfolie noch recht hell ist, habe ich die Öffnung des 20×80 Triplets auf 40mm abgeblendet. Dies wirkt sich auch positiv auf den Farbfehler dieses Fernglases aus. Die Abbildung ist bei gutem Seeing knackescharf.






















Welche Daten sind für die Beurteilung eines Fernglases von Bedeutung?


Auf den Gehäusen der Ferngläser findet man i.d.R. die technischen Angaben aufgedruckt. Dabei sind drei Informationen für die richtige Auswahl eines Fernglases sehr wichtig. Die Vergrößerung, die Objektivöffnung und die Größe des Gesichtsfelds.

Hier mal am Beispiel meines Tasco 7×35:

Ich habe das „Informationsfeld“ mal mit einem Oval gekennzeichnte. Der Aufdruck „7×35“ verät, das dieses Fernglas eine Vergrößerung von 7-fach und einen lichtsammelnden Objektivdurchmesser von 35 Millimetern (pro Kanal, also pro Auge) besitzt. 7-fache Vergrößerung bedeutet, dass ein 70 Meter entferntes Objekt durch dieses Fernglas betrachtet so groß erscheint, als würden wir das gleiche Objekt ohne Fernglas aus nur 10 Meter Entfernung betrachten. Da bei steigender Vergrößerung die Abbildung dunkler wird, muss man das mit der Größe des lichtsammelnden Objektivs ausgleichen.

Die Pupille des menschlichen Auges kann sich bei Dunkelheit auf ca. 7mm Durchmesser weiten. Dies entspricht einer lichtsammelnden Fläche von etwa 38,5 mm² (r² x Pi). Ein Fernglas mit 35 mm Objektivöffnung hat eine lichtsammelnde Fläche von etwa 962 mm². Das bedeutet, dass dieses Fernglas etwa 25 Mal mehr Licht sammeln kann, als das menschliche Auge, wodurch auch schnell klar wird, warum ein Fernglas auch in der Nacht ein hilfreiches Beobachtungswerkzeug darstellt.

Die dritte, wichtige Information, die man auf dem Fernglas findet ist die Größe des Gesichtsfelds. Dieses beträgt in diesem Falle „193 Meter auf 1.000 Meter“. D.h. schauen wir durch das Fernglas, dann hat das Gesichtsfeld in 1.000 Metern Abstand einen Durchmesser von 193 Metern.

Während bei der Naturbeobachtung diese Art der Angabe sehr hilfreich ist, nützt sie uns in der Astronomie nicht so viel, da man am Sternenhimmel ja keine Entfernungen und Größen in Meterangaben machen kann. Rein optisch erscheinen uns die Sterne alle gleich weit weg, nur unterschiedlich hell. Den scheinbaren Abstand kann man nicht mittels eines Metermaßes bestimmen. Daher gibt man den scheinbaren Abstand von Objekten und auch deren scheinbare Größe in der Astronomie in Winkelgrad an. Klingt erstmal verwirrend, bekommt aber schnell eine gewisse Logik, wenn man sich den Sternenhimmel als von innen bertachtete Kugel vorstellt, von der wir von der Erde aus immer nur einen Teil sehen können. Der Umfang eines Kreises beträgt immer 360°, das Gesichtsfeld des Menschen mit zwei gesunden Augen beträgt etwa 180° (im Alter abnehmend). Der Abstand zwischen zwei scheinbar gleichweit entfernten Punkten am Himmel und auch die scheinbare Größe des Objekts läßt sich somit auch in Grad darstellen. Als Beispiel seien mal unser Mond und die Sonne genannt, die beide für den irdischen Betrachter einen scheinbaren Durchmesser von einem halben Grad am Himmel haben.

Die Größe des Gesichtsfelds eines Fernglases in Winkelgrad lässt sich ganz einfach mit der Tangens-Winkelfunktion berechnen.

tangens α = Gegenkathete : Ankathete

Die Gegenkathete im Beispiel meines 7×35 Fernglases wäre die Hälfte der 193 Meter Gesichtsfelddurchmesser, die Ankathete die 1.000 Meter Entfernung. Setzen wir die beiden Zahlen in die Formel ein und bestimmen daraus den Winkel α, dann müssen wir diesen noch mit der Zahl 2 multiplizieren um den kompletten Durchmesser des Gesichtsfelds in Winkelgrad zu bekommen. Im Falles meines 7×35 Fernglases ergibt sich daraus ein Gesichtsfeld von ca. 11°.


Hier die auf diese Weise errechneten Gesichtsfelder meiner Ferngläser

Porst 6-12×30 Zoom: ca. 2,95° (bei 6-facher Vergrösserung)
Tasco 7×35 Model NO. 400: ca. 11°
Tasco 8×40 Model NO. 310: ca. 7°
Tasco 7×50 Model NO. 306: ca. 7,1°
Revue 7×50 Typ 4232: ca. 6,8°
Hunter 7×50 No. 407534 : ca. 7,1°
Bresser 10×50: ca. 6,5°
Sotem 10×50: ca. 6°
Hanimex 10×50: ca. 5,5°
Hannia 16×80: ca. 3,2°
TS 20×80 Triplet: ca. 3,2°